Pressemittteilung 11.04.2022

Zukunft der Kindervilla ungewiss…

Aktuelle Sachlage zum Fortbestand der inklusiven Kindertagesstätte “Kindervilla Fruchtallee e. V.“

Dem Elternverein droht nach über 30 Jahren aufgrund von Eigenbedarf der Vermieterin der Verlust seiner Räumlichkeiten. Nun fürchtet der Verein um seine Zukunft.

Die Kindervilla Fruchtallee e. V. ist eine der ersten inklusiv arbeitenden Elterninitiativen in Hamburg. Seit ihrer Gründung vor 30 Jahren entwickelte sie sich zu einer wichtigen Institution im Stadtteil Eimsbüttel. Hier werden Kinder mit und ohne Entwicklungsauffälligkeiten vom Krippenalter bis zur Einschulung nach dem Prinzip der Inklusion betreut.

Im Dezember 2015 kündigte die Vermieterin – die evangelische Kirchengemeinde Eimsbüttel - überraschend Eigenbedarf an. Es gelang dem Verein die Kündigung vorerst abzuwenden und in ein befristetes Mietverhältnis umzuwandeln. Dieses endet nach einer Fristverlängerung im Sommer 2023.

Seitdem haben sich Team und Eltern mit großem Engagement um eine neue Bleibe für die Kindervilla Fruchtallee bemüht. Zunächst setzten sie große Hoffnung in das Bauprojekt am Bunker Weidenstieg. Bei dem Neubauvorhaben hätte die Kita die Erdgeschossflächen nutzen und in unmittelbarer Nachbarschaft umziehen können. Leider platzte das Bauvorhaben. Ein neues Anhandgabeverfahren wurde bisher nicht eröffnet.

Die weitere Immobiliensuche blieb bisher leider ohne Erfolg. Bestandsimmobilien, die die Suchkriterien erfüllen sind im dichtbesiedelten Eimsbüttel rar. Mögliche Neubauvorhaben im Viertel wie das Quartier rund um Beiersdorf überschreiten den zeitlichen Horizont, der der Kita noch bleibt.

Das Aus der Kindervilla Fruchtallee wäre ein schwerer Verlust für die 50 Kinder und ihre Familien, für die 15 Beschäftigten und für den Stadtteil Eimsbüttel. Denn für viele der in der Kindervilla betreuten Kinder bleibt diese besondere Kindertagesstätte ein Ankerpunkt bis ins Erwachsenenalter. Hier wird eine Gemeinschaft gelebt, in der die Diversität von den Kindern bis hin zu den Beschäftigten gelebte Normalität darstellt. Durch diese tief verankerte Haltung zur Inklusion leistet die Kindervilla einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag, der weit über die Kinderbetreuung hinausgeht.

Die Schließung einer Einrichtung, die als Leuchtfeuer der Inklusion gilt, - und das schon seit 31 Jahren wäre u.E. ein fatales Zeichen für eine Stadt, die bemüht ist sich inklusiv zu öffnen.

Wir – eine Gemeinschaft aus Familien und pädagogischen Fachkräften – können und wollen nicht glauben, dass unsere Notlage bei Politik und Verwaltung nur bedauerndes Achselzucken auslöst. Es geht uns nicht allein um unsere „Einzelschicksale“, sondern darum, dass wir hier eine gesellschaftliche Aufgabe lösen müssen. Für uns ist Inklusion nicht nur ein Schlagwort, sondern vielmehr gelebter Alltag. Die Kita hat in den vergangenen 31 Jahren mehrere hundert Kinder und deren Familien begleitet sich in einer noch nicht inklusiv geöffneten Gesellschaft gut aufzustellen. Wir haben Brücken geschlagen zu Schulen und anderen Netzwerkpartner*innen. Wir haben uns für das Recht auf Teilhabe unserer Familien – und aller Menschen mit Behinderung – eingesetzt. Wir haben das Konzept unserer Kita weiterentwickelt und mit Leben gefüllt und einen Ort geschaffen, an dem sich jede*r – unabhängig seiner Ressourcen und Fähigkeiten – willkommen und erwünscht fühlen kann.

Dass dieses Gesamtpaket an Elternengagement, fachlicher Expertise und Vorbild eines inklusiven Ortes in Hamburg nun ins Leere laufen soll macht uns wütend und traurig und lässt uns noch immer fassungslos dastehen.

Im Namen des Vorstands

Sabine Maus (Kitaleitung)